WeltAidsTag: Volle Prävention für alle?

8 Dezember 2006 von Administrator Kommentieren »

Beim Thema Aids-Prävention denkt jedeR an Kondome, vielleicht zusätzlich an treue Monogamie oder an sexuelle Enthaltsamkeit. Vergessen wird dabei die kleine, aber hochgefährdete Gruppe der KonsumentInnen von Heroin und Kokain. Hier wäre Prävention einfach und billig – verhindert wird sie hauptsächlich aus ideologischen Gründen.

Hamburg im Jahr 2006: Justizsenator Lüdemann “informiert” die Bürgerinnen über seine tolle Arbeit und gibt bekannt: “Bei Amtsübernahme des jetzigen Senats gab es in Hamburger Vollzugsanstalten die staatliche und konsumfördernde Vergabe von Spritzen an Gefangene. [...] Der Staat darf illegalen Drogenkonsum in Strafvollzugsanstalten nicht dulden, sondern muss ihn mit allen Mitteln verhindern.” Abgesehen davon, dass der Konsum von allen Drogen in Deutschland völlig legal ist – diese kleine Wissenslücke sei dem Herrn Justizsenator mal verziehen – ist Drogenkonsum hinter Gittern weit verbreitet und eine Realität, die nicht wegzuverbieten ist.

Die Europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (EBDD) schreibt dazu in ihrem aktuellen Jahresbericht, der Zusammenhang zwischen dem Injizieren von Drogen und Gesundheitsproblemen sei allgemein bekannt: “Die HIV-Infektion ist das Gesundheitsrisiko, das Reaktionen des europäischen Gesundheitswesens auf diese Art des Drogenkonsums herausforderte, und nahezu alle Länder haben jetzt Maßnahmen eingeleitet, die neue Infektionen verhindern sollen. Nadeln und Spritzen beispielsweise, deren Austausch früher kontrovers diskutiert wurde, sind jetzt in praktisch allen Mitgliedstaaten verfügbar, [...].”

Im Rest von Deutschland sieht es aber leider nicht besser als in Hamburg. In Niedersachsen wurden 2003 bestehende Projekte in Gefängnissen von der Justizministerin (CDU) gestoppt und in NRW zerstört der schwarzgelbe Rotstift bestehende Projekte außerhalb des Justizvollzuges. Beispielsweise kehrte in Witten das drogenpolitische Mittelalter zurück: um 15.286 Euro zu sparen wurde der Spritzenautomat abgehängt. Die gesellschaftlichen Kosten bei einem Anstieg der Zahl der Neuinfektionen liegen bei einem Vielfachen. Außerdem sorgte das bisherige Tauschangebot auch dafür, dass benutzte Spritzen sicher entsorgt werden. In Zukunft wird dann ein Teil der 1.700 Spritzen – so viele wurden im vergangenen Jahr eingetauscht – in den Grünanlagen und auf dem Spielplätzen in Witten landen. Dafür wird alleine das Land die Verantwortung tragen müssen.

Etwa 8 Prozent (Schätzung des Robert-Koch-Instituts) der jährlichen Neuinfektionen lassen sich auf den intravenösen Konsum von Drogen zurückführen. Für diese meist abhängigen Frauen und Männer stellt das Gefängnis eine obligatorische Lebensphase dar, in Hamburg haben 40 Prozent der Konsumentinnen harter Drogen Hafterfahrung. Zudem stehen sie auf der untersten Ebene im Rotlichtmilieu – mit einem deutlich erhöhten Risiko, Opfer von sexueller Gewalt und Misshandlungen zu werden. Was das für das HIV Infektionsrisiko bedeutet, kann sich jeder selbst ausmalen.

Während die Hamburger Populisten von der CDU weiterhin beharrlich einen drogenfreien Knast herbeiwünschen und dabei auch über Leichen gehen, ist sich die Fachwelt und der große Rest von Europa einig: Ein Haftaufenthalt darf nicht zu einem massiv erhöhten Risiko einer tödlichen Infektion führen. Die Deutsche Gesellschaft für Suchtmedizin fordert deswegen: “In den Einrichtungen der Justiz ist die Verweigerung der suchtmedizinischen Betreuung drogenkonsumierender Inhaftierter aufzuheben. SaferUse-Programme, Ersatzstoffbehandlung, Drogenberatung und Ausstiegshilfen müssen jedem Inhaftierten zur Verfügung stehen.” Das kann eigentlich nur ergänzt werden mit der Forderung: Entkriminalisierung von DrogenkonsumentInnen und damit kein Knast wegen Drogenbesitzes.

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2 Kommentare

  1. Necrodamos sagt:

    Natürlich ist das Thema Aids-Prävention nicht mit Kondomen abgeschloßen und gerade die Konsumenten von Rauschgiften, die IV, also intravenös, konsumiert werden, sind nach wie vor gefährdet. Allerdings hat sich in den letzten Jahren in diesem Bereich schon einiges getan:

    In Städten gibt es Automaten, an denen man saubere Spritzen ziehen kann und die Aufklärung der Jugend hat sich ebenfalls verbessert.

    Das sollte man Deutschland und der Gesamten EU schon zu gute Schreiben.

    Allerdings ist denke ich das Größte Problem immer noch der Preis der Drogen – denn durch den Schwarzmarkt (Eine Folge der Kriminalisierung von Heroin z.B.) verlangt hohe Preise – Eben diese erhöhen indirekt das Infektionsrisiko – denn darum rutschen soviele betroffene Süchtige in die unterste Schiene der Prostitution ab, tauschen ihr Besteck, brauchen jeden Cent. Abhilfe kann hier eine Legalisierung und staatlich kontrollierte Abgabe schaffen.
    Nur ein paar Denkanstöße.
    Gruß,
    Necrodamos

  2. Heiko sagt:

    Gute Infos zum Thema http://www.weltaidstag.eu habe ich hier gefunden. Hier konnte ich auch mit einem Solidaritäts – Stern meine Solidarität bekunden

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