Wieviel Gesundheitswahn darf es denn heute sein ?

20 Juni 2006 von Administrator Kommentieren »

Die Ärzte Zeitung(die einen interessanten Newsletter besitzt) berichtet unter dem Titel “Briten kämpfen ums Softeis”, dass die britische Regierung ein Gesetz erlasse habe dass “das es fahrenden Softeis-Händlern zukünftig verbietet, in der Nähe von Schulen zu parken, um die süßen Leckereien zu verkaufen.” Das böse Softeis sei laut der Argumentation der bristischen Regierung “ungesund” und stecke “voll leerer Kalorien”. Die Strafe reichen bis zu einer Pfändung des Eiswagens. Nun haben (nach der Verabschiedung des Gesetzes …) Schülergruppen und die betroffenen Softeisdealer ihre Protest gestartet und selbst die britischen Ärtze meinen, die Kindern könnten problemlos auf andere Süßigkeiten umsteigen…

PS: Ich habe natürlich nichts gegen eine vernünftige Gesundheitspolitik, die auch bei der Ernährung von Schülerinnen ansetzt, aber das ist ja wohl nur eine Schaufensteraktion und das BÖSE Softeis als Ursache für dicke Kinder zu brandmarken ist IMHO Wahn(sinn).

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10 Kommentare

  1. Julia sagt:

    Ja, genau, das ist es!

    Wenn der Tabak abgearbeitet ist, wenden sie sich dem nächsten Thema zu: Zucker bzw. Kalorien.

    Bis Gesundheit nicht mehr Privatsache, sondern Kollektivanliegen ist.

    Herzlichen Glückwunsch.

  2. Dr. Brain sagt:

    Das kann nur ein erster Schritt sein.

    Wir brauchen europaweit ein Heer von Ernährungsberatern, die die Schulen überrennen und den Kids die richtige Ernährung eintrichtern.

    Unser Gesundheitssystem wird, wenn nicht vom Aussaugen des Staates durch Banken und Konzerne, dann durch die Millionen an Diabetikern mit zerschossenen Nieren kollabieren (Dialyse ist sauteuer, selbst eine Nierentransplantation ist billiger).

    Der Löwenanteil im Budget der Kassen geht für sinnlose, überflüssige Krankheiten drauf, die es gar nicht gäbe, wenn die Leute nicht
    zuviel rauchen
    zuviel fressen
    zuviel saufen
    zuviel stressen und
    zuwenig laufen würden.

    Was würde andernfalls noch bleiben von Lungenkrebs, Herzinfakt, Diabetes, Fettsucht, Fettleber, Raucherbein, Impotenz, Niereninsuffizienz, Bluthochdruck, Alkoholismus, COPD,…? (“Volkskrankheiten”)

    Außerdem ist es fahrlässig zu vergessen, wie sehr diese Trashernährung das Verhalten stört, gut zu sehen in der Doku “SuperSizeMe”, in der verhaltensgestörte Jugendliche, die durch Gewalt und aggressives Verhalten aufgefallen sind allein dadurch resozialisiert weden, daß man ihnen nicht mehr die übliche Scheiße zu essen gibt.

    Da braucht es mehr als das Verbieten von Softeis, nämlich aktives Handeln: Vernünftige Ernährung muss in die Schulen, und mir kann keiner erzählen, daß man die nicht genauso lecker machen kann (wenn man denn einfach mal wollen würde).

    Hier am Rad zu drehen, mal wieder irgendwas sinnfrei mit dem Anhängsel “…-wahn” zu versehen und eine neue stalinistische Gesundheitsdiktatur am Horizont zu sehen, ist schon mächtig vertrottelt und geht leider meilenweit an den Realitäten vorbei.

  3. Christoph sagt:

    LiebeR Dr. Brainless,

    zuerst habe ich die Aussage “Wir brauchen europaweit ein Heer von Ernährungsberatern, die die Schulen überrennen und den Kids die richtige Ernährung eintrichtern” ja noch für ironisch gehalten, aber die Gesamtsicht des Postings erweckt den Eindruck, das sei ernst gemeint. Inklusive der militaristischen Terminologie des Eingangsstatements.

    Was sind “sinnlose, überflüssige Krankheiten”? Sind “sinnvolle, notwendige Krankheiten” deren Gegenteil und wenn ja, welche sind dies?
    Ist es besser, aus heiterem Himmel von irgendeiner unerklärlichen Krankheit befallen zu werden oder sollte man nicht lieber die Möglichkeit haben, bei seinem eigenen Lebensstil Risiken einzugehen?
    Wenn nein, wer gibt dir die Legitimation, das anderen zu verbieten? Bist du tatsächlich (angehendeR) MedizinerIn? Das würde jedenfalls erklären, warum du andere Menschen bevormunden willst. Déformation professionelle.

    Die Leute saufen, rauchen, fressen eben und stressen sich. Das hat der Volksgesundheitsideologie, dem Gesundheitswahn oder meinetwegen dem Gesundheitsfaschismus noch nie gepasst. Im Dritten Reich unter Hitler oder im Fitness-Staat Kalifornien unter einem anderen Österreicher hieß/heißt das Ideal: Du hast die Pflicht gesund zu sein, keine Laster und Sünden wider den Gesundheitsgott, ordne dich dem Kollektiv, dem deine Gesundheit (angeblich) nutzt, unter.
    Dafür muss man sich aber einen neuen Menschen basteln oder am besten gleich Roboter einsetzen. Am Menschen und seinen Bedürfnissen geht das jedenfalls meilenweit vorbei.

    Außerdem: Auch durch das Ausrotten Krankheiten und durch das Ausrotten ihnen zugrundeliegender Lebensstile wird das ewige Leben nicht erreicht werden.
    Durch das Preis für das Ausrotten von Krankheiten ist oft zu hoch: Krebs ist eine Wohlstandskrankheit, der nur durch das Unterdrücken von Wohlstand und Genuss beizukommen ist. Das haben die Nazis versucht, das versucht heute das DKFZ.
    Ich gönne dem Volk Volksgenuss und weiß, dass es ‘Volkskrankheiten’ immer geben wird. Das ‘Volk’ sollte sich von seinen Weißkitteln, Skalpellrittern und KurpfuscherInnen möglichst wenig verbieten lassen.

    Und der Zusammenhang zwischen Ernährung und Verhalten ist auch höchst fragwürdig, nach volksverhetzenden Klischees wie ‘Dicke sind dumm, faul und unbeweglich’ soll es jetzt offenbar heißen: ‘Fast Food macht asozial’. Genau, und Onanie blind. Gegen Alkohol und Nikotin ist auch schon manches Unsinnige behauptet worden, was sich später mal als völlig falsch herausgestellt hat.

    Die Bezeichnung “Vernünftige Ernährung” macht hier wenig Sinn. (Mal abgesehen davon, dass du sowieso kein Recht hast, dich darin einzumischen, was andere Leute in den Mund nehmen.)
    Vernunft im Sinne der Ratio der Aufklärung bedeutet hier, dass man selbst mit Hilfe seines eigenen Verstandes und Geschmackes entscheidet, was
    man isst (und trinkt, und raucht, …) und sich das nicht von autoritären QuacksalberInnen, magersüchtigen ErnährungsberaterInnen und arroganten PolitikerInnen sagen läßt.
    Dann haben wir eine plurale Gesellschaft von Dicken, Dünnen, Fast Foodern und Slow Foodern, NichtraucherInnen und RaucherInnen, Abstinenten und GenießerInnen und allem, was dazwischen.
    Keine Gleichschaltung von oben!
    Stop health fascism!

  4. Dominik sagt:

    Naja, in einem gewissen Rahmen ist es ja durchaus sinnvoll, sich auch Gedanken um die gesunde Ernährung zu machen. Allerdings sollten die Schulen vielleicht erstmal eine gesunde und auch geschmackvolle Alternative zu diversem Trash-Food anbieten, dann würden sich viele Scheindebatten von selbst erledigen.

  5. Christoph sagt:

    Die Einteilung in “gesunde Ernährung” und “Trash-Food” macht wenig Sinn. Schon alleine deshalb, weil man ein Nahrungsmittel nicht dafür verantwortlich ist, dass es von bestimmten Personen vielleicht besonders häufig verspeist wird. Die Meinungen gehen darüber auseinander, was gesund ist. Ausgewogenheit? Wenn ja, was heißt das? Reduzierung bestimmter Inhalts- bzw. Nährstoffe? Wenn ja, welcher?
    Außerdem sind Geschmäcker nun einmal verschieden und sollten nicht durch ein bestimmtes Nahrungs- und Gesundheitsverständnis gleichgeschaltet werden.
    Am gesündesten für eine Gesellschaft ist immer, wenn Menschen frei und selbst bestimmen können, was sie konsumieren.

  6. maxxflasher sagt:

    Bannt das Softeis, slash puppy´s und andere Welpen in den Zwinger!
    Nicht etwa fehlende Freizeitangebote, Fernseherziehung & Videospiele sind die Schuldigen der Übergewichtgeneration. Ich hörte von einem Fall bei dem ein 9 jähriges, britisches, 70 kilo Kind, einen Magendurchbruch aufgrund eines Softeis overload bekam. Das Softeis, welches “voller leerer Kalorien” war, brachte den kleinen ins Krankenhaus.Wo er jetzt auf der Intensiv-Playstation behandelt wird.

    Ps:

    Megamäßiges Softeis: Das Pokémon zaubert eine Riesenladung Softeis herbei und isst diese! Dadurch wird es doppelt so stark wie zuvor und alle Statuswerte (Angr, Vert usw.) verdreifachen sich!

    von http://www.mogelpower.de/forum/thread.php?30080

  7. Dominik sagt:

    Oh mein Gott, schon unglaublich was es heutzutage alles gibt.

    @Christoph, unter gesunder Ernährung verstehe ich nicht einzelne Speisen oder Gerichte, sondern eher den Versuch, sich abwechslungsreich und ausgewogen (das heißt für mich vor allen Dingen nicht einseitig) zu ernähren bzw so eine Ernährung anzubieten. Dabei ist es auch kein Problem, gelegentlich Süßigkeiten zu sich zu nehmen, solange das nicht die regulären Mahlzeiten ersetzt. Aber das Problem ist ja heutzutage, dass oft schon aus purer Bequemlichkeit nur Süßigkeiten oder Fast Food gegessen wird, weil das am einfachsten verfügbar ist. Das hat gar nicht unbedingt so viel mit dem Geschmack zu tun, eher auch mit dem Angebot.

  8. benpal sagt:

    “Das hat gar nicht unbedingt so viel mit dem Geschmack zu tun, eher auch mit dem Angebot.”

    Regelt das Angebot die Nachfrage oder die Nachfrage das Angebot? War es das Ei oder das Huhn?
    Gibt es zu wenig Gemüseläden? Ist das Angebot am gesunder Ernährung unzureichend? Wer bestimmt, was gesund ist?
    Die WHO vielleicht, die während 30 Jahren Millionen von Menschen hat sterben lassen, weil DDT nicht gesund ist?
    Die Politker, die kaum Zeit und viel weniger noch die Kompetenz haben, solche Entscheidungen zu erarbeiten?
    Für wen muss ich denn gesund sein?

  9. Ich kann mich da kurz fassen, ich lebe lieber ungesund und kurz als lange und langweilig.

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